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WEIMAR Villa Haar
Freilegung und Restaurierung einer Wandmalerei
Im Jahr 1998 fanden restauratorische Voruntersuchungen in den Innenräumen der Villa Haar in Weimar, 1885 nach dem Vorbild der Villa d’Este in Tivoli im Neorenaissancestil erbaut, statt, bei denen unter anderem auch über die gesamte Fläche des Treppenhauses gestaltete Wandmalereien aufgedeckt wurde. Die Befunde reichten aus, um schlussfolgern zu können, dass die Malerei unter jüngeren Anstrichschichten fast vollständig erhalten geblieben war.
Im Rahmen der Gesamtrestaurierung der Innenräume wurde die Malerei im Jahr 2002 Gegenstand einer gesonderten konservatorischen/ restauratorischen Bearbeitung. Hauptaufgabenstellung waren deren Freilegung und gezielte, partielle konservatorische und restauratorischen Maßnahmen.
Das künstlerische Motiv der Malerei offenbart sich dem Betrachter über den Gang durch das Treppenhaus. Dabei sind großzügige Einblicke in landschaftliche Räume erlebbar. Gerahmt wird die ländliche Kulisse durch illusionistische Architekturmalerei.
Die Umsetzung erfolgte durch zwei unterschiedlichen Techniken: Die Brüstungen der illusionistischen Architektur wurden in Stucco-Lustro-Technik ausgeführt, die übrigen Flächen in einer wachshaltigen Tempera.
Offensichtlich sind als erstes die Spiegelflächen der Brüstung in Stucco-Lustro-Technik hergestellt worden. Die Oberflächenstruktur dieser Flächen unterscheidet sich durch ihren glatten polierten Charakter von der ansonsten im Bildbereich vorliegenden leicht gekörnten Struktur.
Später ist die Malerei durch mehrere Anstriche überdeckt worden.
Freilegung Konservierung Restaurierung
Im oberen Wandbereich wurden zwei über der Malerei liegende monochrome Anstriche mechanisch entfernt. Die zuoberst liegende gelbliche Farbschicht war mit dem Skalpell vollständig abzunehmen. Die zweite Farbschicht konnte zum größten Teil mit Wasser, Schwämmen und Freilegepinsel entfernt werden.
Mit einigen Problemen behaftet waren lokal begrenzte Zonen, in denen vermutlich durch eine frühere Überarbeitung eine ölhaltige Spachtelmasse zur Reparatur von Rissen eingesetzt wurde. Mit dieser Spachtelmasse war die Leimfarbe eine feste Bindung eingegangen, so dass die aufliegende Farbschicht zuvor mittels wässriger Zellstoffkompressen angeweicht werden musste. Die Leimfarbe ließ sich danach durch Holzspatel oder ein stumpfes Skalpell entfernen.
Nach Abschluss vorbeschriebener Maßnahmen verblieben insbesondere in den Tiefen der Oberflächenstruktur Reste des Leimfarbanstrichs. Im trockenem Zustand waren diese mittels Glasfaserpinsel entfernbar. Der nach der Reinigung auf der Oberfläche verbliebene Schleier wurde mit Wishab-Schwämmen beseitigt.
Innerhalb der Brüstungsspiegelflächen konnten die obersten beiden Ölfarbschichten der Übermalung mittels Skalpell abgenommen werden. Außerhalb der Spiegelflächen erwies sich die Abnahme der braunen Ölfarbe erheblich schwieriger. Hier gelang die Abnahme erst bei Erwärmung mit einer Heißluftpistole (Temperatur zwischen 90 und 140°C) wobei eine sehr dünne, halbtransparente Farbschicht zurück blieb. Diese war durch ein Lösemittelgemisch entfernbar.
Konservatorische Maßnahmen beschränkten sich auf die Sicherung bzw. Wiederanbindung von Farbschollen. Ein mit destilliertem Wasser verdünnter Füllspachtel auf Acryl-Dispersionsbasis wurde über Kanülen appliziert. Soweit notwendig und möglich, sind die Schollen hierbei angedrückt worden.
Die Kittungen von Rissen und Fehlstellen erfolgte mit einem Füllspachtel. Alte Kittungen wurden zum größten Teil belassen, leicht abgeschliffen und auf das Wandniveau angeglichen. Die Retusche wurde als Vollfarbretusche in Temperatechnik durchgeführt. Um abweichende optische Effekte zu minimieren, wurden die Temperafarben durch Zugabe einer wässrigen Wachsseifen-Emulsion modifiziert.